Arten von Toolkits

Im Gegensatz zur Lead-User-Methode steht der Einsatz von Toolkits erst am Anfang der unternehmerischen Praxis. Es existieren drei unterschiedliche Arten von Toolkits, die sich untereinander von den fünf Basisanforderungen unterscheiden.

Toolkits für User-Innovation

  • Ziel: Leistungsindividualisierung durch Produktkonfiguration (Verkaufstool)
  • Prinzip: Chemiebaukasten, Sehr großer Lösungsraum, Hohe Nutzungskosten, Vollständiges Trial-and-Error
  • Nutzer mit Lead-User-Eigenschaften

Toolkits für User-Co-Design

  • Ziel: Generierung von Innovationsideen und innovativer Leistungseigenschaften
  • Prinzip: Lego-Baukasten, Vordefinierter Lösungsraum durch technische Restriktionen des Herstellers, Geringe Nutzungskosten durch Standardmodule, Trial-and-Error nur teilweise möglich.
  • Nutzer: Alle Kunden

Toolkits zum Ideentransfer

  • Ziel: Transfer vorhandener Innovationsideen aus der Nutzerdomäne (externes Vorschlagswesen)
  • Prinzip: Black Board, Unbegrenzter Lösungsraum, Geringe Nutzungskosten, Kein Trial-and-Error (bzw. nur Feedback durch andere Nutzer)
  • Nutzer mit Lead-User-Eigenschaften

Der Lösungsraum für Toolkits for User Innovation ist gerade unbegrenzt und stellt prinzipiell eine Art Chemiebaukasten dar. Die Nutzer des Toolkits können innerhalb dieses Lösungsraumes mit Standardkomponenten und –modulen des Unternehmens das für ihre Bedürfnisse optimale Produkt nicht nur zusammenstellen, sondern auch in einem aufwändigen Trial-and-Error-Prozess experimentieren und somit individuelle und unbekannte Lösungen für Ihre Bedürfnisse schaffen. Bei den notwendigen Lösungsinformationen, welches das Unternehmen in seinem Toolkits bereitstellt, kann es sich beispielsweise um Zeichenprogramme handeln, die von den Nutzern des Toolkits ein hohes Maß an Kreativität und technischem Verständnis fordern, so dass nur ausgewählte Nutzergruppen mit Lead-User-Eigenschaften geeignet sind.

Beispiel für ein “Toolkit for User-Innovation”: Bush Boake Allen (BBA)

Unternehmen:
BBA ist produzierendes Unternehmen von Aromastoffen und Lieferanten für Unternehmen aus der Nahrungsmittelindustrie (z.B. Nestlé).
Problem:
Nestlé beschreibt gewünschten Geschmack und bestellt entsprechend den Aromastoff bei BBA. Die Lieferzeit beträgt ca. sechs Tage. Gewünschter Geschmack ist schwer deutbar, so dass sich über Trial-And-Error der Prozess zwischen Unternehmen und Kunde mehrmals wiederholt.
Kosten:
Die Kosten betragen zwischen 1.000 USD für die Abänderung eines bestimmten Stoffes bis zu 300.000 USD für die Neuentwicklung eines neuen Geschmackes.
Lösung:
Entwicklung mehrerer „Baukästen“, die eine Kollektion bestehend aus 20 bis 30 kleine Tüten mit Aromastoffen für einen bestimmten Geschmackes (z.B. Chili-Sauce) enthält.
Fazit:
Reduzierung der Entwicklungszeit von 26 auf 3 Wochen.

Die Einbindung von Lead Usern erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei den entwickelten Lösungen um Ideen handelt, die die zukünftige Entwicklung des Marktes vorzeichnen. Der Unterschied zu einer rein autonomen Entwicklungstätigkeit der Nutzer liegt in zwei wesentlichen Faktoren:
Der Hersteller stellt sein vorhandenes Lösungswissen den Nutzern zur Verfügung. Der Nutzer erhält ein detailliertes Feedback auf seine Entwicklung.

Toolkits für User Co-Design dienen weniger Neuentwicklung von Produkten und Services, sondern vielmehr der Individualisierung und Anpassung an spezifische Kundenwünsche. Den Nutzern stehen eine mehr oder weniger große Auswahl von an Modulen, Komponenten, Parametern zur Verfügung, welches ein ihren Anforderungen genügendes Gesamtprodukt konfigurieren kann. Das Toolkit ist somit begrenzt und erlaubt nur Kombinationen, die sich im wirtschaftlichen und technischen Machbarkeitsbereich des Unternehmens befinden. In der Regel erhalten Nutzer eine Visualisierung ihres konfigurierten Produktes und können diese iterativ entsprechend ihren Anforderungen verbessern. Im Anschluss übertragen die Nutzer ihr Design an das Unternehmen, welches die Produktion übernimmt. Während aus der Sicht des Unternehmens durch den Einsatz von Toolkits für Co-Design keine Innovationen, sondern lediglich individuell konfigurierte Produkte entstehen, können diese von den Nutzern durchaus als inkrementelle Innovation wahrgenommen werden.

Beispiele für User Co-Design

  • Moo.com (Erstellen und Drucken von Bildmotiven)
  • Spreadshirt (Kreation und Fertigung von T-Shirts)
  • NikeID (Beschriftung von Textilien)
  • MyMuesli (Zusammenstellung von Frühstücksmüsli)

Die dritte Art von Toolkits wird generell zu Beginn des Innovationsprozesses eingesetzt. Werkzeuge, die zum Ideentransfer beitragen, unterstützen damit auch sowohl das externe Vorschlagswesen als auch den kontinuierlichen Verbesserungsprozess des Unternehmens. Dabei fokussieren Toolkits zum Ideentransfer eher auf die Kommunikation und Übertragung von vorhandenen Ideen aus der Nutzerdomäne und stellen somit einen Kanal zum Unternehmen dar. Viele Unternehmen haben bereits heute ein internes Verbesserungswesen etablieren können, das meistens im Intranet integriert ist und es über Umfragen, E-Mail-Kommunikation sowie Foren erlaubt, Ideen und Verbesserungsvorschläge zu übermitteln, wobei das Ziel in dem Abgreifen allgemeiner Bedürfnisinformationen und einer Bündelung dieser Informationen und in der Bereitstellung einer Übertragungsmöglichkeit für Verfahrens- und Materialverbesserungen innovativer Nutzer besteht.

Beispiel für ein „Toolkit zum Ideentransfer“: Procter & Gamble

Unternehmen:
Procter & Gamble ist ein weltweit operierender Hersteller von Konsumgütern (z.B. Gilette, Wella, Pringles, Oral-B)
Problem:
Ende der 90er Jahre konnten kaum Innovationen generiert werden. Marktanteile und die Hälfte der Marktkapitalisierung gingen verloren.
Lösung:
Procter & Gamble bietet seit einigen Jahren mit Ihrem „Connect & Develop“-Programm eine kontinuierliche Verknüpfung mit Kunden. Direkt von deren Internetpräsenz erreicht man eine Internetplattform, auf der Procter & Gamble aufruft, an dem Programm teilzunehmen.
Fazit:
Viele Innovationen (Swiffer Wet Jet and Duster, Olay Daily Facials, u.a.) konnten über das Open Innovation Konzept zusammen mit externen Nutzern generiert werden.

Intermediates wie NineSigma oder InnoCentive.com stellen genau wie Innovationswettbewerbe “Toolkits zum Ideentransfer” dar. Für beide Werkzeuge gilt, dass nach Innovationen suchende Unternehmen auf innovative Nutzer treffen. Ein Unternehmen kann dabei gezielt oder allgemein Nutzer aufrufen, Ideen oder Verbesserungsvorschläge für ein bestehendes Produkt einzureichen oder aber konkret nach einer Lösung für eine bestimmte Innovationsaufgabe fragen.

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