Open Innovation mit Kunden und Nutzern

Piller und Reichwald bezeichnen Open Innovation als interaktive Wertschöpfung im Innovationsprozess, indem ein Herstellerunternehmen mit ausgewählten Kunden, bzw. Nutzern gemeinschaftlich Innovationen generiert. Diese sich langsam durchsetzende Definition von Open Innovation baut auf den Theorien Eric von Hippels auf, der mit dem Lead User-Ansatz und dem customer-active-paradigm (CAP) einen Wandel einleitet, in dem er einen oder mehrere Kunden und/oder Nutzer als die wesentliche Quelle von Innovationen identifiziert.

Der Gedanke der Userorientierung erweitert den Ansatz des konservativen Innovationsmanagements und der netzwerkorientierten Open Innovation von Chesbrough in der Art, dass neben (i) der eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung und (ii) Lieferanten, Wettbewerbern, Forschungseinrichtungen, Dienstleistern und Organisationen auch (iii) aktive Nutzer und potenzielle Kunden eine wichtige Quelle externen Wissens für den Innovationsprozess darstellen.

Gegenüberstellung des MAP und des CAP nach Eric von Hippel in "Democratizing Innovation"

Das CAP sieht den Nutzer als Initiator des Innovationsprozesses. Im Gegensatz zur traditionellen Vorstellung des Innovationsprozess (manufacturer-active paradigm, (MAP)), in dem ein Hersteller ein Bedürfnis seiner potenziellen Kunden zu erkennen und befriedigen versucht, geht das CAP davon aus, dass die Nutzer selbst ihr vorhandenes Bedürfnis durch eigene Aktivitäten lösen. Das heißt, sie entwickeln eine Idee zur Befriedigung des Bedürfnisses und übersetzen diese Idee dann meist auch in einen funktionsfähigen Prototypen.

Studien über innovierende Nutzer und Kunden (.pdf-Download, Creative Commons License) zeigen, dass diese Charakteristiken als Lead User aufweisen. Lead User sind Nutzer, die sich an der Spitze einer Zielgruppe befinden und die Markttrends aufspüren oder gar bestimmen können. Dies liegt in der hohen Erwartungshaltung des Lead Users begründet, eine Lösung für seine Bedürfnisse und schlussendlich die Bedürfnisse der ihm angeschlossenen Zielgruppe zu schaffen.

Die Motivation für den Nutzer, eigene Produkte zu entwickeln oder bestehende Produkte nach seinen Bedürfnissen zu modifizieren, unterliegt ebenfalls heterogenen Gründen. Ziel eines Unternehmens ist es, die Bedürfnisse eines möglichst großen Marktes mit möglichst geringem Aufwand und Kosten zu befriedigen. Die Strategie des “A few Sizes fit all” hinterlässt viele Nutzer, die mit dem (kommerziellen) Angebot unzufrieden und bestrebt sind, eine individuelle Problemlösung herbeizuführen.

Lead User verfügen sowohl über Bedürfnis- als auch über Lösungsinformationen und grenzen sich dadurch vom normalen Nutzer ab, dass sie einen Wissenstransfer leisten. Der normale Nutzer ist nur latent in der Lage, die Faktoren der Unzufriedenheit über Produkte und dazugehörige Bedürfnisinformationen zu formulieren, da er nie bestrebt ist, sein Bedürfnis auf die optimale Art und Weise zu befriedigen.

Diese Eigenschaften machen Lead User für Unternehmen interessant, da es mit deren Erfahrung möglich ist, die Wahrscheinlichkeit eines Produkterfolges besser zu bestimmen. Die Verknüpfung des netzwerkorientierten Open Innovation-Ansatzes nach Chesbrough und von Hippels Lead User-Ansatz erfährt einen zusätzlichen Gedanken, den von Hippel als Demokratisierung der Innovation bezeichnet. Die Idee esteht darin, die beteiligten Akteure in einem Innovationsnetzwerk um Kunden und Nutzer zu erweitern und diese parallel zu externen Partnern, Dienstleistern und Experten ebenfalls an dem Innovationsprozess teilnehmen zu lassen, um noch größere Innovationspotenziale heben zu können.

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