Ermittlungsverfahren gegen Sie und der arme Anwalt Giese

Nichtsahnend aus dem Büro kommend fand ich soeben folgende E-Mail in meinem SPAM-Filter

Guten Tag,

in obiger Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung und Interessenwahrung der Firma Videorama GmbH, Munchener Str. 63, 45145 Essen, an.

Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser Mandant ist Inhaber der ausschliesslichen Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der §§ 15ff UrhG bzw. § 31 UrhG an diesen Werken, bei denen es sich um geschutzte Werke nach § 2 Abs 1 Nr. 1 UrhG handelt.

Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit
§§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht. Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen Werken dokumentiert worden.

Aufgrund dieser Daten wurde bei der zustandigen Staatsanwaltschaft am Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige gegen Sie gestellt.

Aktenzeichen: 335 Js 574/46 Sta Essen
Ihre IP Adresse zum Tatzeitpunkt: 103.32.81.4
Ihre E-Mail Adresse: Meine E-Mail-Adresse
Illegal heruntergeladene musikalische Stucke (mp3): 13
Illegal hochgeladene musikalische Stucke (mp3): 24

Wie Sie vielleicht schon aus den Medien mitbekommen haben, werden heutzutage Urheberrechtverletzungen
erfolgreich vor Gerichten verteidigt, was in der Regel zu einer hohen Geldstrafe sowie Gerichtskosten fuhrt.
Link: Urheberrecht: Magdeburger muss 3000 Euro Schadensersatz zahlen

Genau aus diesem Grund unterbreitet unsere Kanzlei ihnen nun folgendes Angebot:
Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen, Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den Schadensersatzanspruch unseres Mandanten aussergerichtlich zu loesen.

Wir bitten Sie deshalb den Schadensersatzanspruch von 100 Euro bis zum 18.10.2010 sicher und unkompliziert
mit einer UKASH-Karte zu bezahlen. Eine Ukash ist die sicherste Bezahlmethode im Internet und
fur Jedermann anonym an Tankstellen, Kiosken etc. zu erwerben.

Weitere Informationen zum Ukash-Verfahren erhalten Sie unter: http://www.ukash.com/de
Senden Sie uns den 19-stelligen Pin-Code der 100 Euro Ukash an folgende E-Mailadresse zahlung@rechtsanwalt-giese.info

Geben Sie bei Ihre Zahlung bitte ihr Aktenzeichen an!

Sollten sie diesen Bezahlvorgang ablehnen bzw. wir bis zur angesetzten Frist keinen 19- stelligen
Ukash PIN-Code im Wert von 100 Euro erhalten haben, wird der Schadensersatzanspruch offiziell
aufrecht erhalten und das Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen wird eingeleitet. Sie erhalten
dieses Schreiben daraufhin nochmals auf dem normalen Postweg.

Hochachtungsvoll,
Rechtsanwalt Florian Giese

Die Mail kam von

Return-Path:
X-Original-To: Meine Mail-Adresse
Delivered-To: meine user-ID
Received: from 173.193.223.133-static.reverse.softlayer.com (unknown [190.84.0.229])
by meine User-ID (Postfix) with ESMTP id 9D1CD1803DB36;
Wed, 13 Oct 2010 17:38:35 +0200 (CEST)
Received: from 173.193.223.133 by bpmx3.logmein.com; Wed, 13 Oct 2010 10:38:33 -0500
Date: Wed, 13 Oct 2010 10:38:33 -0500
From: “Rechtsanwalt Florian Giese”
X-Mailer: The Bat! (v3.51) Professional
Reply-To: arsonistsjv92@remotelyanywhere.com
X-Priority: 3 (Normal)
Message-ID: <681651135.34704811285280@remotelyanywhere.com>
To: Meine E-Mail-Adresse
Subject: Ermittlungsverfahren gegen Sie
MIME-Version: 1.0
Content-Type: text/html;
charset=Windows-1252
Content-Transfer-Encoding: 7bit
X-KasLoop: m00f2401

In der Tat war diese Mail schon ziemlich gut gemacht, doch warum sollte man stutzig werden:

1) Videorama produziert überwiegend Erotikfilme. Somit fällt das Anbieten und Herunterladen von “MP3-Stucken” schon mal flach. Ein Anruf bei einem Kontakt bei Videorama bestätigte zudem, dass Videorama kein Mandat bei RA Giese hat. Das würde eigentlich schon ausreichen, das Thema, weiter zu verfolgen… aber sei’s drum:

2) Eine persönliche Anrede wäre schon schön gewesen…

3) …vielleicht auch Kontaktdaten von Herrn Giese, wenn man den armen Mann schon quasi als Marionette benutzt, um die Seriösität zu steigern?

2) Die ermittelte IP-Adresse stammt vermutlich aus Frankreich “existiert” nicht, also ist noch nicht im Gebrauch. Ein Mysterium im Zeitalter von IP-Adressknappheit.

3) http://www.ukash.com/de scheint in Bezug auf anwaltliche Kostennoten mehr als ein unseriöses Zahlungsmittel.

4) rechtsanwalt-giese.info wurde erst heute registriert.

5) Lade ich keine MP3-Dateien über Peer-to-Peer-Netzwerke herunter, bzw. biete solche an (“Support local Live-Music!” …und liebevoll erstellte CDs samt Cover).

6) Hat es Rechtsanwalt Giese – wie ich gerade gesehen habe – schon selbst bestätigt.