Toolkits

In dem traditionellen Entwicklungsprozess nähert sich das Unternehmen durch Marktforschung, Tests, Variation und Kombination den Lösungen für ein Innovationsproblem und spiegelt diese möglichen Lösungen an den Bedürfnissen der (möglichen) Nutzer dieser Lösung. Dieser Trial-and-Error-Prozess ist sehr aufwändig, da stets eine Kommunikation zwischen Nutzer und Hersteller notwendig wird. Dieser Informationsaustausch ist jedoch aufgrund der Ortgebundenheit der Bedürfnis- und Lösungsinformationen oft durch hohe Transaktionskosten geprägt und zeitaufwändig. Toolkits für Open Innovation fußen auf der Idee, diesen Trial-and-Error-Prozess an die Nutzer zu übergeben.

Iterativer Problemlösungsprozess
Iterativer Problemlösungsprozess nach Stefan Thomke und Eric v. Hippel

Ein Toolkit beschreibt eine Entwicklungsumgebung, welche Nutzer befähigt, ihre Bedürfnisse iterativ in eine konkrete Lösung zu überführen, häufig ohne dabei mit dem Unternehmen in persönlichen Kontakt zu treten. Das Unternehmen stellt dazu eine Interaktionsplattform bereit, auf der der Nutzer selbst eine vorhandenen und im Toolkit abgebildeten Lösungsraumes ihre Bedürfnisse formulieren, konkretisieren und in eine fertige Lösung überführen können. Der Grundgedanke von Toolkits für Open Innovation ist darauf zurückzuführen, dass die Lead-User-Methode eine teure und diskontinuierliche Maßnahme zur Unterstützung des Innovationsprozesses darstellt. Internetbasierte Instrumente erlauben jedoch neue Möglichkeiten für den Einbezug einer größeren Anzahl von Nutzern in verschiedenen Arten des Innovationsprozesses. So existieren auch verschiedene Arten von Toolkits, die eine virtuelle Kundenintegration erlauben, die jedoch alle den gleichen Zweck verfolgen.

Zum einen sollen Innovationsaktivitäten von Nutzern erschlossen werden, um Produkte zu entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt sind, so dass das vorrangige Ziel ist, ein gewisses Maß an Entwicklungsaktivität direkt an den Kunden auszulagern. Das geschieht dadurch, dass den Nutzern ein Werkzeug an die Hand gegeben wird, mit dessen Hilfe eigene, bedarfsgerechte Lösungen gefunden werden. Dabei rücken vor allem die Problemlösungsprozesse in den Vordergrund, die auf Kundenzufriedenheit und –bedürfnisse unmittelbare Auswirkungen haben.

Zum anderen sollen diese Toolkits Zugang zu implizierten Wissen der Nutzer bieten, die anders wie Lead User nicht in der Lage sind, ihre Wünsche und Bedürfnisse explizit zu formulieren. Unternehmen versprechen sich dadurch ein minimiertes Marktrisiko in der Produktneuentwicklung und Kostenersparnisse, da durch die Verwendung von Toolkits der Kunde lernt, seine eigene Wünsche besser zu konkretisieren und zu formulieren. Dies verhindert das kostspielige Nachbessern der Produkte oder neue Produkte, die am Markt vorbei entwickelt werden. Wenn es ein Unternehmen schafft, durch eine passende Plattform die Schnittstellenaktivität des interaktiven Innovationsprozesses zwischen Unternehmen und Kunden, die verschiedenen Ausgangsdaten, Tools und Anwendungen, Arten von Herangehensweisen und vor allem die unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründe zu einem effektiven und effizienten Problemlösungsprozess zu bündeln, kann die Leistungsfähigkeit eines Innovationssystems entscheidend verbessert und eine Reduktion der Entwicklungszeiten und –kosten erzielt werden.
Dem Unternehmen kommt so nicht mehr die Aufgabe zu, die Bedürfnisse der Nutzer exakt zu verstehen und selbst diese Probleme in potenzielle Lösungen zu überführen und zu vermarkten. Vielmehr muss das Unternehmen nur die von den Nutzern selbst geschaffenen Lösungen produzieren und vertreiben können. Da der Kunde die Lösung aber durch die Handhabung einer Interaktionsplattform und durch den vorgegebenen Lösungsraum des Herstellers erstellt hat, sollte die Fertigungsfähigkeit auf Seiten des Unternehmens vorhanden und somit gewährleistet sein.

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