Wie man mir 2,99€ im Monat klauen wollte – oder warum Symantec bald pleite sein dürfte

Ich wurde gerade auf meinem Handy von einem Callcenter mit der Nummer 021317789147 im Auftrag meines Mobilfunkanbieters angerufen, die mir für nur 2,99€ im Monat ein Antivirenprogramm von Norton aufschwatzen wollten. In ihrer Datenbank hätten sie nämlich gesehen, dass ich ein Handy verwende, dass von einer Sicherheitslücke betroffen sei, dass es Angreifern ermöglichen würde, auf meine Kosten zu telefonieren und es gab ja jetzt erst vor kurzem in Frankfurt den Fall, dass ein Familienvater auf 400 Euro Schaden sitzen geblieben wäre, weil er nicht ausreichend geschützt gewesen wäre und außerdem diese ganze Spionagesoftware und der Überwachungsskandal und überhaupt. Und damit mir das nicht passiert, soll ich doch dieses super Angebot annehmen. Auf die Frage, welche Sicherheitslücke das sei, kam der gute Mann ein wenig aus dem Tritt. Das war auf seinem Zettelchen wohl nicht vorgesehen, das jemand nachfragt:

“Ähm… ja… naja… Android an sich ist ja sehr unsicher. Das betrifft nicht nur ihr Handy.”

“Danke. Kein Interesse.”

“Aber Sie surfen doch im Internet mit Ihrem Handy.”

“Ja.”

“Und wie schützen Sie ihr Internet?”

Guter Mann, würde mir das Internet gehören, würde ich als erstes alle Minderjährigen rausschmeißen, einen Internetführerschein weltweit zur Pflicht machen und 5 Euro Nutzungsgebühren die Stunde verlangen. Das würde ziemlich viele Probleme auf einmal beheben. Die Leute würden sich zehn Mal überlegen, ob sie das Internet wirklich benutzen müssten, der weltweite Strombedarf dürfte merklich zurückgehen und ich wäre wahrscheinlich der reichste Mensch der Welt.

“Wir würden Ihnen sonst zwei SMS schicken. Eine mit dem Download-Link und eine mit dem Lizenzschlüssel. Wir dürfen nämlich keine Software auf ihrem Handy installieren.”

Ja, das wäre ja noch schöner, wenn Friedrichs feuchte Träume bereits legal wären.

“Sie können das ja einfach mal installieren und auch jederzeit wieder ausschalten.”

Aber die 2,99€ darf ich bestimmt weiterhin zahlen, oder?

Wie dem auch sei, er sagte ja, dass ich sonst auf meinem Schaden sitzen bleiben würde. Das interessierte mich dann ja doch:

“Und wer kommt für den Schaden dann auf, wenn mir einer, trotz der tollen Software, entstehen sollte.”

“Hm, ja… das wäre dann wohl Norton.”

“Das glaube ich wohl kaum.”

“So sagt es aber der Gesetzesgeber. Aber auch nur wenn Sie geschützt waren. Sie können das ja nachrecherchieren.”

“Ja, das werde ich wohl machen.”

Man möge sich mal vorstellen, dass Softwareanbieter für diese Schäden aufkommen würden. Die gesamte Security-Industrie wäre doch schon längst pleite.

“Hey Symantec, ich war so doof mir was einzufangen, ich hatte mir aber mal deine tolle Software installiert, aber sofort wieder ausgemacht, weil der nette Callcenter-Agent gesagt hat, das könne ich machen. Ich hätte jetzt gerne meinen Schaden von so und soviel Tausend Euro von dir ersetzt.”

Das wäre ein super Geschäftsmodell. Man besorgt sich eine kostenpflichtige Nummer, verteilt eine Android-Software im Bekanntenkreis (vorerst ohne deren Wissen), die diese Nummer anruft und holt sich das Geld dann vom Anbieter der Sicherheitssoftware wieder. Dann klärt man das im Bekanntenkreis auf und macht halbe-halbe. Ich glaube, ich mache schon mal Pläne für meinen Ruhestand nächstes Jahr.

“Ich bräuchte dann noch ihr Geburtsdatum.”

“Bitte was? Ich habe kein Interesse an ihrem Angebot.”

“Ja, das bräuchte ich, um zu wissen, ob ich auch mit dem richtigen Vertragspartner gesprochen habe.”

“Ein schönes Wochenende noch.”

Ich wurde zu gut erzogen, dass ich da noch freundlich bleibe.

Ich weiß gerade nicht, was mich mehr aufregt: dass man mir eine halbe Stunde (inkl. dieses Textes) meines Lebens gestohlen hat, das unbedarfte Leute vor lauter Panikmache das Angebot annehmen oder das es Menschen gibt, die sich gezwungen sehen, in so einem Callcenter zu arbeiten, aus Ermangelung an Alternativen. Wie gut das bald Wochenende ist.

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